Weihnachtsbräuche rund um den Globus

Weihnachten ist die Zeit des Besinnens und das Fest der Liebe. In allen christlich geprägten Ländern der Erde wird Weihnachten gefeiert. Es ist das wichtigste Fest im Jahr, zu Ehren der Geburt Christi. Ein grundlegender Bestandteil dabei ist der Kirchgang zur Mitternachtsmesse und die Krippe, die die Weihnachtsgeschichte darstellt. Rund um den Globus kommen die Familien zusammen, um zu feiern und gemeinsam das traditionelle Festmahl zu genießen. Auch der Weihnachtsbaum, der aus dem 17. Jahrhundert stammt und Leben und Hoffnung symbolisiert, ist fast überall dabei.

Die Bräuche allerdings unterscheiden sich durch den Einfluss der eigenen Kulturen in den Ländern voneinander. Welche Bräuche Weihnachten besonders prägten und heute noch angewandt werden, wollen wir euch hier erzählen. Da gibt es so manche Überraschung.

Weihnachtsbräuche in Europa

Deutschland:

Weihnachten wird in den Bundesländern ganz unterschiedlich gefeiert. Einheitlich ist der Beginn der Weihnachtszeit am 1. Advent mit dem klassischen Adventskranz und dem heilige Nikolaus, der zu den Kindern am 6. Dezember kommt. Doch schon hier gibt es regionale Unterschiede, mancherorts kommt er zusammen mit Knecht Ruprecht oder dem Krampus, der den unartigen Kindern schon mal die Rute zeigt. In Süd- und Westdeutschland bringt nicht der Weihnachtsmann an Heiligabend die Geschenke, sondern das Christkind.

Das Festmahl wird in vielen Haushalten erst an den Feiertagen, klassisch mit Gans oder Ente, Rotkohl und Klößen serviert, aber auch „Karpfen blau“ ist ein typisch deutsches Weihnachtessen. Am Weihnachtsabend, der im Kreis der Familie stattfindet, wird oft traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat gegessen. Im Vogtland und im Erzgebirge gibt es das sogenannte Neunerlei, ein neun-gängiges Weihnachtsmenü. In einigen Gegenden legen sich die Menschen, nach altem Brauch, Kleingeld unter den Teller, damit das Geld im nächsten Jahr nicht ausgeht. In Franken gibt es eine andere Überlieferung, nach der eine gläserne Gurke in den Weihnachtsbaum gehängt wird. Wer sie zuerst entdeckt, darf vor allen anderen Geschenke auspacken.

Skandinavien:

In den skandinavischen Ländern ist die Weihnachtszeit mit viel Schnee und frostigen Eisblumen an den Fenstern besonders stimmungsvoll. Aber auch die Tage in dieser Zeit sind sehr kurz und am 13. Dezember, dem kürzesten Tag, bringt Lucia, Licht in die Dunkelheit. Das Luciafest, das vor allem in Schweden, aber auch in anderen skandinavischen Ländern, gefeiert wird, hat einen besonderen Stellenwert in der Adventszeit und entstammt alten Ernte- und Mittwinter-Bräuchen. In den Familien wird die älteste Tochter traditionell als Lucia verkleidet. Sie trägt ein weißes Gewand mit einem roten Band um die Taille und auf dem Kopf hat sie einen Kranz mit Kerzen. Sie führt den traditionellen Festzug an, der durch soziale Einrichtungen wie Kindergärten oder Krankenhäusern führt und in der Kirche endet.

Ein beliebtes Symbol für die Weihnachtszeit ist in Skandinavien ein Ziegenbock aus Stroh, der sogenannte Julbock, der für die Fruchtbarkeit der Erde steht. Früher brachte er an Weihnachten die Geschenke, heute dient er als Dekoration und ist überall auf den Weihnachtmärkten zu finden. In Schweden bringt Tomte, in Norwegen Julenissen, beides kleine Kobolde, die Geschenke und sie bekommen kleine Schüsseln mit Haferschleim, damit sie den Menschen keine Streiche spielen. In Island kommen 13 Weihnachtstrolle zu den Menschen, an den 13 Tagen vor Weihnachten, an jedem Tag kommt einer und legt den braven Kindern ein Geschenk in die Schuhe, die auf die Fensterbank gestellt werden. Die frechen bekommen eine alte Kartoffel. Die Trolle sind allesamt eher finstere Gesellen und für den letzten steht eine Kerze im Schuh, damit er den Menschen friedlich gesinnt ist.

Das traditionelle Weihnachtsbuffet, das Julbord, was übersetzt Weihnachtstisch heißt, gibt es in allen skandinavischen Ländern. Dabei werden je nach Region verschiedene Speisen aufgetischt, wie Elchfleisch, Lamm, gelaugter Kabeljau, Weihnachtsschinken, Lachs- und Heringsgerichte und vieles mehr. Getrunken wird gerne das dunkle Weihnachtsbier Julöl und Glögg, ein schwedischer Glühwein mit Mandeln und Rosinen. Dazu werden meistens die „Pepparkakor“ gereicht, schwedische Pfefferkuchen.

Niederlande:

In Holland ist nicht der 24. sondern der 6. Dezember, dem Geburtstagsfest von Sinterklaas, der Mittelpunkt der Weihnachtszeit. Er kommt Mitte November mit seinem Gefolge und legt mit einem Schiff aus seiner Heimat Spanien an einem alten Hafen an. An diesem Abend stellen die Kinder einen großen Holzschuh mit einem Wunschzettel darin vor den Kamin. Auch Wasser und eine Karotte für das Pferd wird daneben gestellt. Am Abend reitet Sinterklaas mit seinem magischen Schimmel von Dach zu Dach und bringt zusammen mit seinem Helfer Zwarte Piet, was übersetzt schwarzer Peter heißt, die Geschenke durch den Schornstein. Er hat eine schwarze Hautfarbe, trägt eine bunte Pluderhose mit Weste und hat eine pompöse Kopfbedeckung mit Feder. Er ist ein freundlicher Geselle und verteilt Süßigkeiten an die Kinder.

Italien, Spanien und Griechenland:

In Italien, Spanien und Griechenland müssen sich die Kinder mit den Geschenken etwas gedulden. Am 24. Dezember kommen zwar die Familien zusammen und es wird gemeinsam gegessen und getrunken, aber Geschenke gibt es nicht. Nach dem Essen geht man in die Kirche zur Mitternachtsmesse. In Italien wie in Spanien bekommen die Kinder erst am 6. Januar, dem Dreikönigstag, Geschenke. In Spanien von den heiligen drei Königen, in Italien von der guten Hexe Befana. Auch in Griechenland bekommen die Kinder erst am 1. Januar, dem Tag des Heiligen Basilius, Geschenke. Außerdem gibt es das Basiliusbrot. Darin wird eine Münze eingebacken und wer sie findet, hat das ganze Jahr über keine Geldsorgen, so der Glaube.

Polen und Tschechien:

In Polen wird mit dem 1. Advent die Fastenzeit eingeläutet und endet an Heiligabend mit einem Festmahl. Eröffnet wird es aber erst wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Es wird auch ein Gedeck mehr auf den Tisch gelegt, falls ein unerwarteter Gast vorbeikommt. Auf den Tellern liegt je eine Oblate, die jeder mit den anderen am Tisch unter guten Wünschen teilt. Das Festmahl besteht aus zwölf Gerichten, jedes steht für einen Apostel. Serviert wird Fisch und Gemüse, Fleisch gibt es an diesem Abend nicht.

In Tschechien gehört neben dem Weihnachtsbaum auch die Mistel zur Tradition. Sie soll Glück bringen und, um böse Geister fernzuhalten, hängt man einen Mistelzweig an die Hauswand. Zum Festmahl, das vor der Bescherung stattfindet, wird ähnlich wie in Polen auch Fisch serviert: gebackener Karpfen. Ein weiterer Brauch in Tschechien ist das Apfelschneiden. Man schneidet einen Apfel durch und die Anordnung der Kerne weist auf die Zukunft hin. Gleicht die Anordnung einem Stern, ist das ein gutes Omen, gleicht sie aber einem viergliedrigen Kreuz, bedeutet das Unglück.

England und Frankreich:

In England und Frankreich wird ähnlich wie bei uns gefeiert, die Familien kommen zusammen und es gibt ein großes Festmahl, besonders für die Franzosen steht das an erster Stelle: Mit gefülltem Truthahn, Pasteten, Austern und Champagner wird bis spät in die Nacht geschlemmt. In England wird zum Weihnachtsessen noch traditionell Plumpudding und süßer Mince Pie serviert. Die Geschenke liegen in Frankreich und in England erst am Morgen des 25. Dezembers unter dem Weihnachtsbaum. Am Abend werden noch zusätzlich Socken aufgehängt, damit sie von „Père Noël“ in Frankreich und in England von „Father Christmas“ gefüllt werden. In England wird noch gerne, nach altem Brauch, ein Mistelzweig an die Decke gehängt. Wer darunter steht, darf geküsst werden.

Russland und Ukraine:

In Russland und in der Ukraine fällt Weihnachten nach dem Julianischen Kalender auf den 6. Januar mit dem auch die Fastenzeit um 0 Uhr endet. Die Familien gehen zur Weihnachtsmesse, die über mehrere Stunden mit Lichterdprozessionen andauert. Am 1. Weihnachtstag, dem 7. Januar wird im Familienkreis das Festessen mit traditionellen Gerichten eingenommen. Es werden zwölf Gänge, für die zwölf Apostel, serviert. Gerichte wie Borschtsch, eine Rote-Beete-Suppe und Kutja eine Süßspeise aus Weizen, Honig, Mohn, Rosinen und Nüssen, die als Speise Gottes gilt, dürfen dabei nicht fehlen. In der Ukraine werden zwei Tischtücher auf den Tisch gelegt, eines für die Ahnen und eines für die Lebenden und ein freier, gedeckter Platz ist ebenfalls für die verstorbenen Familienmitglieder, deren Seelen, so der Volksglaube, am Mahl teilnehmen. Unter den Tisch wird zur Erinnerung an Jesus, der in einer Krippe geboren wurde, Heu gestreut. In Russland wie in der Ukraine gibt es die Geschenke allerdings schon am 31. Dezember von Väterchen Frost, der sie um Mitternacht unter den Weihnachtbaum legt. Er hat einen Stab, der alles gefrieren lässt, was er berührt. Begleitet wird er von seiner Enkelin dem Schneemädchen. Beide kommen aus dem Wald der russischen Taiga mit einem Schlitten, der von Pferden gezogen wird.

Weihnachtsbräuche auf anderen Kontinenten

Asien:

Der Anteil der Christen ist in Asien sehr gering, deshalb gibt es dort kein traditionelles Weihnachten. Dennoch werden immer mehr Bräuche aus dem Westen übernommen, wie zum Beispiel in den Großstädten, das Schmücken der Kaufhäuser und Straßen mit vielen bunten Lichterketten. In Japan gibt es sogar Weihnachtsmärkte und die Menschen hängen Mistelzweige an ihre Türen. Die Geschenke bringt der „Hoteiosho“, das ist Knecht Ruprecht und Weihnachtsmann in einer Person. Er hat ein drittes Auge am Hinterkopf, mit dem er das Benehmen der Kinder beobachten kann. In manchen Ländern werden an Heiligabend Schuhe vor die Haustüre gestellt oder Socken aufgehängt, die dann am nächsten Morgen mit kleinen Geschenken gefüllt sind.

Da es in Asien kaum Nadelbäume gibt, stellen sich manche Chinesen Plastikbäume ins Wohnzimmer. In Indien schmücken die Christen Bananenstauden, Mangobäume und Palmen und in Indonesien werden lange Bambuszweige und Kokosnussblätter vor die Türe gestellt. Eine weitere Tradition in Indonesien, die „Ngejot“ genannt wird, ist es am Weihnachtsabend den Nachbarn etwas zu essen zu geben, um sein Glück zu teilen. In Indien, wie auch in Vietnam, auf den Philippinen und im Libanon, gehen die Familien in die Mitternachtsmesse. Geschenke erhalten in Indien vor allem die Kinder und Angestellten. Das Familienoberhaupt bekommt eine Zitrone, als Zeichen der Verehrung, überreicht.

Afrika:

Durch die Kolonialzeit ähneln die weihnachtlichen Traditionen in vielen afrikanischen Ländern den Europäischen. Gottesdienste werden abgehalten, Häuser geschmückt und Familien kommen zusammen, um gemeinsam zu essen. Vielerorts wird Ziegen- oder Hühnerfleisch, das meist vom eigenen Hof stammt, mit Gemüse und Maisbrei oder Fladenbrot serviert. In einigen Ländern werden Krippenspiele aufgeführt, wie zum Beispiel in Ghana oder in der Republik Kongo, wo sie in der Kirche neben großen Musicals und Chören stattfinden.

In Südafrika werden am 26. Dezember, den „Boxing Day“, Kisten, die mit Essen und Geschenken gefüllt sind, an die Armen verteilt. In Äthiopien richten sich die meisten Menschen nach den Julianischen Kalender und danach wird das Weihnachtsfest, das “Genna” genannt wird, erst am 7. Januar gefeiert. Für die Kirche kleiden sich alle in traditionellen, weißen Gewändern. Anschließend wird das Festmahl mit Familie und Freunden eingenommen. Oft ist ein Priester anwesend, der das Haus, die Speisen und Gäste segnet.

Australien und Neuseeland:

In Australien und Neuseeland ist an Weihnachten gerade Hochsommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad. Santa Claus sieht man in roten Boxershorts und Bommelmütze am Strand. Er kommt auf Wasserskiern an und fliegt per Helikopter in entfernte Orte. Oder er tauscht seine Rentiere gegen sechs ausgewachsene, weiße Kängurus ein, so heißt es zumindest in einem alten australischen Liedertext. Seine Geschenke bringt er in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember. Das traditionellen Truthahnessen und den von den Briten eingeführten Plum Pudding nehmen viele Familien mit zum Strand und veranstalten dort ein großes Picknick.

Manche bringen sogar ihren bunt dekorierten Weihnachtsbaum mit. Der Weihnachtsbaum hat durch die britischen Einwanderer Tradition. Er ist meistens aus Plastik oder Aluminium und wird reichlich geschmückt. In Australien leuchten üppig angebrachte blinkende Lichterketten und Figuren schon von weitem. Es findet sogar ein regelrechter Wettbewerb statt. Von den schönsten Dekorationen werden Fotos in der Zeitung veröffentlicht und sogar die Adresse wird bekannt gegeben, damit sich jeder die Pracht ansehen kann. In Neuseeland ist das wichtigste Weihnachtssymbol der Pohutakawa Baum, der Neuseeländische Weihnachtsbaum. Er blüht leuchtend rot zur Weihnachtszeit und wird auch in Neuseeland in traditioneller Weise mit Christbaumschmuck und Leckereien geschmückt

Lateinamerika:

Weihnachten ist in den lateinamerikanischen Ländern durch die portugiesischen und spanischen Kolonialmächte geprägt von christlichen Traditionen. Entsprechend wird dort auch gefeiert, mit einem künstlichen Weihnachtsbaum und einer Krippe, die auch hier ein wichtiger Bestandteil des Weihnachtsfests ist. Die Straßen und Geschäfte werden mit weihnachtlichen Motiven geschmückt und sind hell erleuchtet. Am Heiligen Abend kommen die Familien zum großen Festmahl zusammen. Ein besonderer Brauch, der aus Spanien stammt, ist das Zerschlagen einer Piñata vor dem Essen. Das ist ein Stern mit sieben Zacken (die sieben Todsünden) oder eine Phantasiefigur aus Pappmaché, die mit Süßigkeiten gefüllt ist. Die Kinder versuchen sie, mit verbundenen Augen, mit einem Stock zu zerschlagen, damit die Süßigkeiten herausfallen. Anschließend wird zusammen gespeist. Jedes lateinamerikanische Land hat seine traditionellen Speisen, wie gefüllter Truthahn, Schwein, Huhn oder Fischgerichte. Aufgetischt werden außerdem Pasteten, Kartoffeln, Reis und Salate. Zur Nachspeise gibt es Puddings, Gebäck und Panettone, der aus Italien kommt. Anschließend gehen viele Familien zur Mitternachtsmesse, der oft ein Feuerwerk zum Abschluss des Abends folgt.

Nordamerika:

In den USA und in Kanada werden die Geschenke in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember von Santa Claus gebracht. Er fliegt mit seinem Schlitten, der voll bepackt mit Geschenken ist und von Rentieren gezogen wird, durch die Lüfte. Santa landet auf den Dächern, klettert durch die Schornsteine in die Häuser und verteilt dort die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Zur Stärkung stellen die Kinder in der Nacht für Santa Claus Milch und Kekse bereit und Karotten für die Rentiere. Geschmückt wird, was das Zeug hält: Lebensgroße Weihnachtsmänner samt Schlitten und Rentiere, bunte Lichterketten an Hausfassaden und Dächern, leuchten schon von weitem. Statt Glühwein wird „Eggnog“, ein Eierpunsch, getrunken, aber auch heiße Schokolade mit Marshmallows wird serviert. Übrigens, die Bezeichnung „ X-mas“ für Weihnachten hat einen tieferen Sinn. Das „X“ ist der Anfangsbuchstabe der griechischen Schreibweise von Christus und das „-mas“ dahinter steht für das englische Wort Messe wörtlich übersetzt also Christmesse, ein Gottesdienst zu Ehren Christi.

Wir haben für euch Bräuche aus vielen Ländern ausgesucht, die sich vor allem von unseren unterscheiden. Auch wenn dieses Weihnachten etwas anders ausfällt, wünschen wir euch ein frohes Fest im Kreis der Familie mit Weihnachtsaum, Festessen und gesunden Begegnungen.

Quellen: