Verschiebst du noch oder lernst du schon? – Die vier (ein halb) Lerntypen nach Neil Fleming

Lernen begleitet uns jeden Tag in unserem Alltag. Ob gewollt oder nicht, unsere Sinnesorgane nehmen ständig neue Informationen auf und senden diese ans Gehirn weiter. Wenn wir uns bestimmte Informationen bewusst einprägen müssen, wie zum Beispiel für eine Klausur, lernt jeder von uns auf verschiedene Weisen am effektivsten. Die Lerntypentheorie von Neil Fleming unterscheidet vier verschiedene Lerntypen: Visueller, auditiver, kinästhetischer und schreibend-lesender Typ, die hier im Folgenden beschrieben werden. Da niemand nur einem einzigen Lerntyp zugeordnet werden kann, entwickelte Fleming zu seiner Theorie auch die sogenannten Mischtypen, die aus mehreren Lerntypen bestehen. Zu wissen wie man am effektivsten lernt, kann in besonders stressigen Klausur- und Prüfungsphasen hilfreich sein, da man so seine Lernmethoden an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Visueller Typ

Der visuelle Lerntyp nach Fleming nimmt Lernstoff am besten über Schaubilder und Grafiken auf. Mithilfe von Bildern, Skizzen und Videos, also allem was nicht nur reiner Text ist, können die besten Lernergebnisse erreicht werden. Wichtige Informationen, die zum Beispiel für eine Klausur gelernt werden müssen, sollten bildhaft dargestellt werden. Das kann zum Beispiel in Form von Mindmaps und Schaubildern selbst erstellt werden. Texte werden schneller verstanden, wenn die Informationen mit farbigen Markierungen zu verschiedenen Kategorien strukturiert werden.

Auditiver Typ

In Flemings Lerntypentheorie lernt der auditive Lerntyp am ehesten, wenn die Lerninhalte vorgesprochen werden, er sie also hören kann. Dabei kann es für diesen Lerntypen auch hilfreich sein sich selbst Texte vorzulesen bzw. den Lernstoff auf einer Audiodatei zu speichern und wieder anzuhören. Anregende Diskussionen und Gespräche mit anderen zu den verschiedenen Wissensgebieten, bleiben diesem Lerntyp lange im Gedächtnis und können dazu beitragen wichtige Inhalte leicht einzuprägen. Vorträge und Vorlesungen bieten für den auditiven Typ die ideale Lernsituation.

Schreibend-lesender Typ

Ähnlich wie beim visuellen Lerntyp nimmt der schreibend-lesende Lerntyp den Lernstoff bevorzugt über die visuelle Wahrnehmung auf. Hier liegt der Fokus allerdings nicht auf Schaubildern und Grafiken, sondern auf Texten. Der schreibend-lesende Lerntyp bevorzugt es beim Lernen daher eher Bücher und Texte zu lesen und sich dabei die wichtigen Informationen aufzuschreiben. Unbekannte Begriffe werden immer sofort nachgeschlagen, aufgeschrieben und auswendig gelernt. Zusammenfassungen und Karteikarten, die entweder selbst erstellt werden oder bereits vorgegeben sind, bieten die ideale Grundlage für eine erfolgreiche Lernphase.

Kinästhetischer Typ

Der kinästhetische Typ benötigt zum Lernen einen Anwendungsbezug der Lerninhalte. Ganz nach dem Motto „Learning by doing“ wird der Lernstoff am besten durch eigenes ausprobieren, anfassen und testen aufgenommen. Praktische Themen, die man in einem haptischen Modell umsetzen kann, eignen sich am besten, um den Stoff zu erlernen. Da das nicht immer möglich ist jedes Thema in einem Modell darzustellen, kann es ebenfalls hilfreich sein sich beim Lernen zu bewegen, zum Beispiel mit einem Spaziergang oder einer spielerischen Gestaltung des Lernens.

Mischformen

Aus den vier Lerntypen ergeben sich immer Mischformen, da niemand nur einen einzigen Weg zum Lernen nutzt. Lerntypen sind mehr wie Stärken zu verstehen. Nur weil es jemandem leichter fällt mit Texten zu lernen, heißt das nicht, dass diese Person ausschließlich nur mit Texten lernt. Fleming formulierte zu seiner Theorie zwei Mischtypen.

Den ersten Mischtyp beschreibt er damit, dass die bevorzugte Lernstrategie von der Situation abhängig gemacht wird. Beispielsweise, wenn für einen Vokabeltest in Englisch gelernt werden muss, könnte dieser Mischtyp 1 auf Lernstrategien des auditiven Typs zurückgreifen, das heißt die Vokabeln selber oft aussprechen und sich anhören.

Der zweite Mischtyp bevorzugt es beim Lernen alle Wahrnehmungskanäle zu nutzen. Das heißt er verwendet so viele Lernstrategien von allen vier Lerntypen wie möglich. Für den Vokabeltest könnte die Lernsituation des zweiten Mischtyps also so aussehen:

Auditiv: Vokabeln werden laut ausgesprochen und angehört.

Schreibend-lesend: Vokabeln werden immer wieder aufgeschrieben; bei unbekannten Wörtern wird nachgeschlagen und nach Definitionen gesucht.

Visuell: Begriffe werden farbig markiert und damit bestimmten Kategorien zugeordnet; z.B. grün für Nomen, rot für Verben und blau für Adjektive.

Kinästhetisch: Neue Vokabeln werden schnell gelernt, indem die Gegenstände im Raum in der jeweiligen Sprache beschriftet werden.

Die Lernstrategie des zweiten Mischtypen ist viel zeitaufwendiger, dafür wird hierbei allumfassender bzw. vertiefender gelernt.

Welcher Lerntyp bist du? Wenn du für deine nächste Klausur lernen musst und du hast Schwierigkeiten dir den Stoff zu merken, probiere doch mal verschiedene Strategien aus. Neben den hier vorgestellten Lerntypen gibt es noch unzählige weitere Lerntheorien, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben. Wir haben uns für die Lerntheorie von Neil Fleming entschieden, da sie gut nachvollziehbar ist und die Lernstrategien sich leicht umsetzen lassen. Du willst noch mehr zu dem Thema? Keine Sorge! Anknüpfend an die Lerntypen kommt demnächst ein Beitrag zum Thema Lernmethoden für dich. Dabei erklären wir dir verschiedene Lernmethoden und wie du sie am besten umsetzen kannst!

Quellen

mitteldeutsches-institut.de
Lerntypen
Abgerufen am 07. Januar 2021
https://mitteldeutsches-institut.de/lerntypen/

Grin.com
Lerntypen und ihre Bedeutung für die Personalentwicklung
. (2020).
Abgerufen am 07. Januar 2021
https://www.grin.com/document/50644#:~:text=Das%20Akronym%20VARK%20steht%20f%C3%BCr,)%20und%20Kin%C3%A4sthetisch%20(Kinaesthetic).