Halloween-Special: Mutterkorn

Halloween steht kurz bevor. Das traditionelle Fest, das ganz im Zeichen des Grusels steht, ist seit Jahren auch schon bei uns angekommen. Ob als Gespenster, Vampire oder Hexen verkleidet, sollen die bösen Geister davon überzeugt werden, dass man „einer von ihnen“ ist, damit sie einen ja in Ruhe lassen. Leider wird Halloween dieses Jahr nicht in gewohnter Form als Halloweenparty oder für die Kleinen als Tür zu Tür Besuch stattfinden können. Das soll uns aber nicht davon abhalten, euch spannendes Hintergrundwissen zu einem der gefürchtetsten und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Fabelwesen zu geben: Den Hexen und Hexern. Was die mit dem Mutterkorn verbindet und was das überhaupt für ein Korn sein soll, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Die Geschichte der Hexen und Hexer

Jeder von uns kennt Geschichten zu Hexen und Hexern. Sie begleiteten uns durch die Kindheit in Form von Erzählungen, Büchern und Filmen. Aber auch im Geschichtsunterricht ist der Begriff „Hexe“ im Zusammenhang mit den damaligen Hexenverfolgungen kein Fremdwort. Innerhalb Europas durchzog sich von 1300 bis 1750 eine große Welle an Hexenverfolgungen, denen tausende Menschen zum Opfer fielen. Neue biohistorische Erkenntnisse können einen entscheidenden Grund liefern, warum einige Menschen damals fälschlicherweise der Hexerei bezichtigt wurden. Und es fängt ganz unerwartet mit verseuchten Roggenerzeugnissen an. Ihr hört richtig, ein verseuchtes Lebensmittel verursachte zahlreiche Falschbezichtigungen mit tragischem Ausgang. Aber wie kam es dazu? Fangen wir von vorne an.

Das etwas andere „Korn"

Roggen gelangte vor etwa 2500 Jahren als Beikraut von Emmer und Weizen nach Mitteleuropa. Beikraut wird auch Unkraut genannt und unterdrückt Kulturpflanzen. Somit war Roggen erst ein unerwünschtes Gewächs bis es sich als essbar entpuppte. Hier kultiviert, wurde es häufig zu Brotlaiben verbacken und machte sich schon bald als Brotgetreide unentbehrlich. Schaut man sich eine solche Roggenähre an, weist sie einen grünen beziehungsweise blauen Schimmer auf. In dieser Gestalt sind die Körner der Ähre wunderbar für die Zubereitung von Roggenerzeugnissen geeignet. 

Befinden sich jedoch dunkelviolette bis schwarze lange und gekrümmte „Körner“ in der Roggenähre ist Vorsicht geboten. Denn bei diesen „Körnern“ handelt es sich um den Dauerkörper (Sklerotien) des Mutterkornpilzes. Dieser enthält zahlreiche Alkaloide, welche gesundheitsschädlich für Mensch und Tier sind. Erst im Jahr 1853 entlarvte der Mykologe L. R. Tulasne den dunklen Dauerkörper als giftig, sodass dieser bis dahin nichtsahnend in Brotlaiben mit verbacken wurde. 

Der Verzehr dieser verseuchten Roggenprodukte führte zum sogenannten „Antoniusfeuer“ oder „Kribbelkrankheit“, die den Hexen zugeschrieben wurde und befeuerte wortwörtlich aufgrund massiver Vergiftungen die Hysterie der Hexenverfolgungen. Symptome waren zum Beispiel Halluzinationen und krampfartige Anfälle, welche auf den hohen Alkaloidgehalt im Mutterkorn zurückzuführen sind. Heutzutage werden solche Missernten natürlich größtenteils umgangen beziehungsweise kommen gar nicht erst zur Nutzung in der Lebensmittelherstellung. Ihr könnt also beruhigt sein. Doch es ist immer wieder spannend zu erfahren, wie eine doch recht unscheinbare Veränderung an und im Lebensmittel zu solch tragischen Entwicklungen führen konnte und wir um das heutige Wissen darüber sehr dankbar sein können.

Wir wünschen euch trotz der erschwerten Situation in diesem Jahr ein schaurig schönes Halloweenfest im kleinen Kreise und einen gesunden Start in die Winterzeit. 

Quellen: